dolor

Sie bekam kaum noch Luft. ‚Wo ist er?‘ Panisch drehte sie sich um, ihre Haare flogen durch die Luft. Sie atmete tief und schnell, ihr Brustkorb hob sich und legte sich direkt wieder. Sie fühlte ihre Beine nicht mehr, ihre Arme nicht mehr. Sie nahm nichts mehr war. Die einzige Emotion, die sie spürte, war Taubheit.
Sofern man Taubheit spüren konnte.
Irgendetwas stimmte hier nicht. Sie rannte durch das ganze Haus und schrie seinen Namen, riß jede Tür und stürmte in jedes Zimmer rein. Nur um das gleiche Ergebnis vorzufinden.
Er war nicht da.
‚Wo ist er?‘ Ihre Gedanken überschlugen sich, sie hörte die Warnung nicht mehr. Sie nahm die Realität nicht mehr wahr. Irgendetwas schnürte ihr die Kehle zu. Sie fasste sich mit einer Hand an den Hals und versuchte zu fühlen was es war, irgendetwas war in ihr, was ihr die Luft wegnahm. Irgendetwas erstickte sie von innen.
‚Nein. Es muss raus!‘ Sie kratzte verzweifelt solange, bis sie Blut unter ihren Fingernägeln spürte. Sie würdigte dem Blut keines Blickes. Sie nahm es nicht wahr. Es hörte nicht auf, ihre Kehle wurde immer enger und enger zugeschnürt.
„Aufhören!“ Sie schrie in der lautesten Stimme, die ihre Gedanken haben konnten. „Aufhören, aufhören, aufhören!!!“ Immer wieder stieß sie diese Laute von sich, gequälte Laute, doch niemand konnte sie hören. Die blutigen Kratzer an ihrem Hals brannten, es waren stechende Qualen. Doch es war ein Gefühl von Leben. Ein Gefühl von ihrer Kontrolle über ihren Körper. Doch über ihre Seele hatte sie jede Macht verloren.
AH! Sie hatte es. Sie hatte es fast ausgemacht, dieses Gefühl, dass ihr die Luft wegnahm. Es war tief in ihr drin. Nicht in ihren Beinen. Es war in ihrem Kopf und in ihrer Brust. Dort schlummerte es. Doch was war es? Es lastete auf ihr. Erdrückte sie fast und zermalmte sie, stellte ihr Fragen. Die Stimme dieses etwas dröhnte durch jede Körperzelle. Ihr Körper vibrierte, so laut waren die Laute. Sie hielt einen Moment inne. Dann schrie Sie. Sie lag zusammen gekauert auf dem Boden, wandte sich und verbiegte sich. Sie kreischte und tobte. Sie wollte, dass dieses Gift ihren Körper verließ.
Hat er das Gift hineingelassen? Sie kniete sich hin und stütze ihren Oberkörper mit ihren Händen ab. Etwas tropfte auf den Boden. Schon wieder! Wie ein kleiner Regen, prallte eine Träne nach der Anderen auf dem Boden auf. Jetzt endlich kam ihre Stimme wieder. Doch das Gebrüll, dass in ihrem Kopf schlummerte und tobte, hörte man nur als leises, einsames Wimmern.
Er ist weg und hat sie alleine gelassen.

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