I’m just human – Teil 1

Eifersucht – oder doch etwas anderes?

Bin ich es? Eine simple Frage, mit verständlichen Wörtern. Doch denoch verstehe ich die Frage nicht. Eher gesagt, verwirrt sie mich weil ich keine Antwort darauf finde. Heißt es nicht „Meins ist Meins“? Doch auf der anderen Seite, kann man eine Person nicht zu seinem Eigentum machen. Doch er möchte eine Antwort. Das ist doch auch berechtigt, eine Antwort auf seine eigene Frage möcht doch jeder, oder?
Nur ich weiß nicht, ob ich ihm ehrlich antworten kann. Denn kenne ich meine eigenen Gefühle so gut, dass ich weiß, wie ich wo reagieren würde?
Mir ist es egal, wenn er sich mit Frauen trifft. Das habe ich mir immer eingeredet. Ich weiß, dass er mich liebt. Mich. Und nicht sie. Ich war immer die kühle, distanzierte Person, die nie jemanden so nah ran gelassen hat, dass sie selber eifersüchtig werden könnte. Denn Eifersucht bedeutete, dass man selber schon hoffnungslos verloren war. Eifersucht bedeutete, dass ich auf eine Person fixiert war und diese Person, meine Gefühle und somit mich selber kontrollieren konnte, wie es ihm passt. Gott sei Danke hatte er noch nicht heraus gefunden, wie es funktioniert. Um mich in und auswendig zu kennen, habe ich ihm zu wenige Gelegenheiten gegeben. Ich möchte, dass man mich nicht einschätzen kann. Das ich unberechenbar bin. Denn wenn ich diese Eigenschaften, zu einem Teil von mir zählen kann, dann kann ich angreifen und mich verstecken. Er weiß nicht, wie ich fühle und wie ich reagiere. So habe ich immer noch eine Schutzmauer um mich herum, die unsichtbar ist und von der er noch nichts ahnt. Von der auch nie etwas ahnen wird. Doch ist es wirklich gut, dass ich diese Mauer um mich habe? Wenn ich meine Gefühle verberge und sie ihm nicht preisgebe, wie soll er dann wissen, ob ich eifersüchtig bin? Wie soll er dann wissen, dass ich es nicht mag, wenn er bei anderen Frauen bleibt? Wie soll er dann wissen, dass jedesmal wenn er ein anderes Mädchen erwähnt, ich in Selbstzweifel verfalle? Denn das tue ich. Jedesmal. Ist sie hübscher als ich? Kennt sie ihn besser als ich? Ist sie interessanter als ich? Mag er sie vielleicht mehr als mich? All diese Fragen fangen an in meinem Kopf herum zu summen und verwandeln sich im Laufe des Tages in ein nicht aufhörendes lautes Brummen. Wie ein Hornissen Nest. Laut, gefährlich und tödlich. Denn diese Fragen führen unweigerlich zu Antworten, die mir nicht gefallen würden. Antworten, die womöglich garnicht wahr sind. Aber die ich mir trotzdem als Wahrheit einreden würde.
Ja, sie war schöner als ich. Jeder ist schöner als ich. Dass weiß er auch, er findet sie auch schöner und das, was du als Liebe ansiehst, ist nichts als pures Mitleid.
Ja, sie kennt ihn besser als du. Ihr beide habt doch garkeine richtige Beziehung. Das ist nur Spaß. Wenn er ernsthafte Probleme hat, redet er lieber mit ihr anstatt mit dir.
Ja, sie ist interessanter als du. Was hast du zu bieten? Hast du überhaupt irgendwelche Talente? Eure Gesprächsthemen sind langweilg und du musst dich immer anstrengen um die Konversation am laufen zu halten. Sie nicht. Sie ist wortgewandt und witzig und offen. Du hingegen bist verkorkst und weißt nicht wie man auf Menschen zu gehen soll. Sie ist die Sonne und du eine dreckige Pfütze.
Und ob er sie mehr mag? In Wirklichkeit mag dich keiner. Niemand. Er lügt dich wahrscheinlich auch nur an, so wie alle anderen. Findest du dich selber nicht erbärmlich, zu glauben, dass er jemanden wie dich lieben könnte? Aufrichtige Liebe? Zu sowas bist du nicht im Stande.
Ich weiß nicht, wer da zu mir redet. Ist das die Wahrheit, die zu mir spricht oder doch meine Unsicherheit? Ist das vielleicht meine Schutzmauer, die mich davor bewahrt, wieder verletzt zu werden?

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6 Gedanken zu “I’m just human – Teil 1

  1. Hallo Didi,
    ich bin kein bibelfester Mensch oder fleißiger Kirchgänger, wahrscheinlich kennst Du es auch schon, die Worte kommen auch in Krzysztof Kieślowskis Drei Farben Trilogie (Filme) sehr schön beschrieben vor, aber es passt ganz gut auf einige Deiner Gedanken:

    1. Korinther – Kapitel 13
    Das Hohelied der Liebe

    1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.
    2 Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.
    3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
    4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht,
    5 sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu
    6 sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit
    7 sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.
    8 Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird. …

    13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

    Liebe, so meine ich aus meiner Erfahrung sagen zu können, braucht den Blick hinter die Mauer. Denn dort bist Du. Ich hatte eine Freundin, als ich 18 war, die hatte auch solch eine Mauer errichtet. Wir konnten nächtelang darüber sprechen, woher und warum, wie hoch und wie fest, doch einreißen konnte sie sie nur selbst. Ich war dann noch lange der Feund, der sie begleitete, bis sie während unserer Freundschaft einen Partner fand, dem sie sich öffnete…

    Sicher sollte man sich nicht jedem öffnen, aber auch wenn sich einer mal als der Falsche herausstellen sollte, und diese Erkenntnis mit kaum vorstellbaren Schmerzen verbunden ist, so birgt die Zeit der Öffnung erst die Chance der Liebe (nicht Verliebtsein) in sich. Und wenn es dann stimmt, ist es alle Wunden der Welt ( im übertragegen Sinne!) wert. Meine ich.

    LG Mies

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